Als die Schlusssirene in der Bremer Klaus-Dieter-Fischer-Halle ertönte, da fiel nicht nur Beyeröhdes Trainerin Sabine Nückel ein Stein vom Herzen. 29:29 (17:16 zur Pause für Bremen) hieß es am Ende, nachdem man wenige Augenblicke vorher noch mit zwei Treffern zurück gelegen hatte und der Außenseiter Werder Bremen wie der mögliche Sieger aussah.

Doch nach einer Klasseparade von Jennifer Weste gab das ursprünglich klar favorisierte Beyeröhder Team noch mal alles und packte vor allem in der Abwehr kräftiger zu als im Großteil des Spiels. Michelle Stefes wurde im Angriff gefoult, und Kapitän Mandy Münch verwandelte den Strafwurf zum 28:29, Und kurz darauf war es Linkshänderin Melina Fabisch, die den Ausgleich erzielte.
„"Sicher ein glücklicher Punkt, aber nicht unverdient"“, meinte Sabine Nückel später und ließ bei der Rückschau durchblicken, dass ihr vornehmlich im ersten Durchgang vieles nicht gefallen hatte. „"Wir haben die Halblinke Nele Heidergott überhaupt nicht in den Griff bekommen, ebenso wie Katrin Friedrich, die sogar zehn Tore erzielt hat"“, kritisierte die junge Trainerin, die ihr erstes Auswärts-Unentschieden quittieren musste.

Lobende Worte fand sie dagegen für den Rückraum, in dem sich Mandy Münch, Ramona Ruthenbeck und Melina Fabisch mit insgesamt 22 Treffern von ihrer nahezu besten Seite zeigten. Auch Natalie Adeberg tat sich mit vier Treffern in der ersten Halbzeit hervor, konnte diesen positiven Trend im zweiten Durchgang jedoch nicht fortsetzen. Kritisch musste man die Außenpositionen und den Kreis sehen, die zwar gute Chancen hatten, die aber gegen Meike Anschütz und Alexandra Meyer im Bremer Tor nicht verwerteten. Einen sehr seltenen Vorfall gab es kurz vor Schluss: Kreisläuferin Anna-Lena Tomlik wurde disqualifiziert, weil sie bei einer Befreiungsaktion ihrer Gegenspielerin ins Gesicht gegriffen hatte. „"Unfairness ist Anna-Lena völlig wesensfremd. Man kann ihr in dieser Situation wirklich keine Absicht unterstellen"“, nahm Sabine Nückel die „Rot-Sünderin“ in Schutz. „

"Ein kleiner Dämpfer war das heute, aber gegen eine Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft, muss man mit harter Gegenwehr rechnen“", resümierte Sabine Nückel, registrierte aber nach dem Schlusspfiff zusammen mit ihrem Team voller Freude, dass man wegen der Niederlage der 24:28 Niederlage der SGH Rosengarten beim Spitzenreiter Bensheim-Auerbach wieder auf Platz zwei vorgerückt ist.

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)