Mit dieser Niederlage konnte beim TV Beyeröhde jeder gut leben. Obwohl sich der Handball-Zweitligist nach der 19:28 (8:14)-Heimniederlage gegen den Rekordmeister Bayer Leverkusen schon in der zweiten Runde des DHB-Pokals verabschieden mussten, schienen nach dem Abpfiff alle Seiten zufrieden zu sein.

Die Leverkusener, weil sie mit ihrem gradlinigen Handball souverän den von Cheftrainerin Renate Wolf geforderten Sieg einfuhren und die nächste Runde erreichten. Die Beyeröhder Handball-Girls wiederum hielten Wort und konnten im Gegensatz zum letzten Pokaltreffen vor zwei Jahren, bei dem sie mit 27:48 deftige Prügel bezogen hatten, eine solide Leistung abrufen. „Es waren einfach zu viele Tempogegenstöße“, monierte TVB-Trainer Martin Schwarzwald lediglich die Phase zum Ende des ersten Durchgangs und zu Beginn des der zweiten Hälfte.

Die Wuppertalerinnen gingen hochmotiviert in das Duell. Für viele war es ein Wiedersehen mit ehemaligen Mitspielerinnen und Betreuern. Die Zuschauer in der der bestens gefüllten Buschenburg sahen ein flottes Spiel. Der Underdog schenkte dem großen Favoriten nichts und klebte bis zum 7:10 (23.) hartnäckig an Bayers Fersen. Doch zu schnelle und unvorbereitete Abschlüsse luden die Gäste dann zu schnellen Gegenstößen ein. So zogen sie zur Pause auf 14:8 und nach dem Wiederanpfiff bis auf 22:11 (42.) davon. Zur Freude des Wuppertaler Anhangs ging der TVB aber nicht unter. Immer wieder kämpften sich Mandy Reinarz und ihre Mitspielerinnen heran und ließen den Abstand zumindest nicht mehr größer werden. Gegen den Tabellenfünften der Frauenbundesliga war das am Ende auch als ein Erfolg zu werten.

Bei aller Freundschaft bot das Spiel auch genügend Emotionen. Ein Beispiel bot Beyeröhdes Ramona Ruthenbeck, die in Leverkusen geboren wurde und elf Jahre lang das Trikot der Bayerelfen getragen hatte. „Klar ist das für mich nicht irgendein Spiel“, sagte die 21-Jährige, die nach einem erfolgreichen Siebenmeterwurf sogar Torwartlegende und Bayer-Torwart-Trainer Andreas Thiel die Faust zeigte. Der hatte zuvor seiner Torhüterin anzeigt, wo „Rambo“ den Ball hinwerfen würde. „Ich habe ihm nur gezeigt, dass ich auch variabel werfen kann“, sagte „Rambo“ nach der Begegnung dazu.u den Beobachtern gehörte auch Kerstin Reckenthäler. Die U23-Trainerin der Leverkusener fieberte auf der Tribüne immer für beide Seiten mit, weil sie in beiden Teams ehemalige Spielerinnen hatte. „Da beobachtest du alles mit und willst von oben korrigieren“, gab Bayers Talent-Schmiedin zu, zu keiner besonderen Partei gehalten zu haben.

 

Erdinc Özcan-Schulz (Westdeutsche Zeitung)