Ihre Leistungskurve zeigte in dieser Saison ständig steigende Tendenz, und am vergangenen Samstag wuchs sie in der Buschenburg buchstäblich über sich hinaus, was bei stattlichen 180 Zentimetern Körpergröße schon etwas heißen will: Pia Adams (21) die wurfgewaltige Halblinke des TV Beyeröhde, die zu Saisonbeginn ganz vom Erstligisten Bayer Leverkusen nach Langerfeld gewechselt war.

Beim 37:27 über den BSV Sachsen Zwickau stand sie anfangs ganz im Zentrum der gegnerischen Abwehrbemühungen. Sie wurde festgehalten, zu Boden gerissen, vielfach gefoult und dürfte wohl etliche blaue Flecken davon getragen haben. Doch die blonde Pia ging den rustikalen Kämpfen „ Frau gegen Frau“ nicht aus dem Weg. „Gehört einfach dazu“, meint sie lakonisch, hielt kräftig dagegen und war auch in der Deckung ein Bollwerk. „So gut war sie noch nie“, lobte Abteilungsleiter Stefan Müller und freute sich, dass die gebürtige Burscheiderin mit acht Treffern auch einen wesentlichen Beitrag zum doppelten Punktgewinn leitete.

In ihrer Heimatstadt Burscheid war die junge Handballerin  schon zweimal „Sportlerin des Jahres“. Dort lernte sie auch das Handball Spielen, war aktiv bei der TG Hilgen, später „Bergische Panther“, und wurde bei einem Spiel mit der Schulmannschaft in der Leverkusener Smits-Arena von Bayer-Trainerin Renate Wolf entdeckt.

In  der Bayer-A-Jugend reifte Pia auch zur Jugend-Nationalspielerin und gehörte dann zum Kader des Erstligisten. „Erste und zweite Liga sind  wegen der größeren Athletik, der körperlichen Härte und des schnelleren Tempos schon ein Riesenunterschied“, gibt die Neu-Beyeröhderin zu.

Und weil ihre anspruchsvolle Ausbildung zur Physiotherapeutin kaum mit den Anforderungen der Handball-Bundesliga in Einklang zu bringen war, entschloss sie sich für den TVB, bei dem sie in der vorletzten Saison schon mal kurzfristig ausgeholfen hatte.

„Hier habe ich mein Selbstvertrauen wiedergefunden“, stellt sie fest und  dem Verein, Trainer und den Mitspielerinnen glänzende Zeugnisse aus.

„Hier ist der Leitungsdruck nicht so hoch, hier herrscht eine familiäre Atmosphäre und ich wurde sehr gut aufgenommen. Unserem Trainer Martin Schwarzwald merkt man an, dass er aus der Jugendarbeit kommt. Er hat genau die richtige Ansprache gegenüber jungen Spielerinnen. Ich merke, dass er mir sein Vertrauen schenkt.“ Davon gibt Pia Adams Woche für Woche mehr zurück und denkt, dass noch weitere Leistungssteigerungen möglich sind.

Zum Beispiel, wenn sie im kommenden Jahr ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin in Opladen abgeschlossen hat. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, denkt sie aber nicht an eine Rückkehr zu Bayer Leverkusen.

 

„Aber irgendwann einmal möchte ich mal Stammspielerin in der ersten Bundesliga sein“, hat sie ein sportliches Ziel vor Augen. Aber bis dahin möchte Pia noch oft im Rückraum hochsteigen und die Bälle unhaltbar ins gegnerische Tor hämmern… und in der Abwehr möglichst viele Gegentreffer verhindern.

 

Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)