Am Schluss war es beim denkbar knappen 28:27 (18:13) des TVB gegen das Schlusslicht SG H2Ku Herrenberg wie in Goethes „Erlkönig“: „"Erreicht den Hof mit Müh und Not.“"
Beim Abpfiff konnte man sich auf Beyeröhder Seite lediglich über die beiden Punkte freuen, die die Wuppertalerinnen  wieder aus der Abstiegszone gehievt hatten. Ansonsten gab es vornehmlich in der zweiten Hälfte wenig Grund zum Jubeln, und vor allem die letzten Minuten als der 28:24 Vorsprung in sich zusammenschmolz und die Gäste bei Angriffen die Torhüterin herausnahmen,  mit sieben Spieleinnen das Spiel beinahe noch drehten, strapazierten das Nervenkostüm der Fans.

Gestresst auch Trainerin Meike Neitsch, die verärgert zur Kenntnis nahm, dass in der Deckung ihre Vorgaben nicht befolgt wurden und die hoch gewachsene, eher feingliedrige Sulamith Klein auf Herrenberger Seite nahezu unbehelligt die Bälle aus dem Rückraum ins von Dana Centini gut gehütete Tor hämmern konnte. Auch am Beyeröhder Kreis taten sich immer wieder Lücken auf, die die Gegnerinnen schonungslos nutzen konnten.
Dabei hatte es nach holprigem Beginn und teilweise Zwei-Tore-Rückständen gut ausgesehen. Nach dem 8:8 durch die wieselflinke und abschlussstarke Jennifer Jörgens lief es plötzlich. Vor allem Mandy Münch, mit 12 (davon fünf verwandelte Siebenmeter) Treffern torhungrigste Beyeröhderin, drehte auf, und als es 18:12 und zur Pause 18:13 hieß, freute man sich schon auf ein munteres Tor-Festival.
Eine Vorfreude, die wohl auch die TVB-Deckung sorglos gemacht hatte, und Dana Centini, die etliche starke Reaktionen zeigte, musste innerhalb kürzester Zeit sieben Gegentreffer der flinken Herrenbergerinnen hinnehmen, sodass bei nur zwei Beyeröhder Torerfolgen die Partie wieder ausgeglichen war und der Bedarf an Nervenkitzel fortan reichlich gedeckt wurde.
„"Dana wurde von ihren Vorderleuten im Stich gelassen“", erklärte Meike Neitsch und ging dann auch mit ihren Angreiferinnen hart ins Gericht. "„Es wurde fast ausschließlich in die kurze Ecke geworfen und die Torhüterin geradezu abgeschossen“", bemängelte sie, wobei Herrenbergs nur mittelgroße Torfrau Monika Linde allerdings auch eine Glanzleistung zeigte und bei geschätzten zehn Beyeröhder Latten- und Pfostentreffern auch das Glück der Tüchtigen hatte.
Bemerkenswert sicher auch, dass diesmal der gesamte Beyeröhder Kader im Spielbericht aufgeführt war, auch wenn Ramona Ruthenbeck und Carolin Stallmann als Rekonvaleszente noch geschont wurden. Auf Besserung darf also gehofft werden.

  Friedemann Bräuer (Westdeutsche Zeitung)

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