TVB feiert Sieg und ein gelungenes Comeback
Jennifer Jörgens-Taddey nahm gleich nach dem Schlusspfiff ihren neun Monate alten Sohn Jakob auf den Arm, gab ihm einen Kuss und strahlte. So hatte sich die einstige Toptorschützin ihren Einstand nach Babypause wohl vorgestellt. Denn auch wenn Torjäger-Nachfolgerin Jana Brandt mit 14 Treffern und Spielmacherin Julia Kerber mit acht Treffern herausragten, lieferte Jörgens-Taddey einen wichtigen Beitrag zum klaren 33:26-Heimsieg des Handball-Regionalligisten gegen den TV Byfang. Damit haben sich die Wuppertalerinnen im ersten Spiel nach der Weihnachtspause weiter von den Abstiegsplätzen entfernt und dem Tabellen-Mittelfeld angenähert. „Und wir wollen schon noch ein paar Spiele mehr gewinnen“, sagte Trainer Peter Stefes, dem besonders die Vorstellung seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte sehr gefallen hatte. „Das war schon so, wie ich mir das vorstelle.“
Dabei hatte man nach der Winterpause erst zwei Mal trainiert, war Jennifer Jörgens-Taddey erst am Donnerstag mit der ersten Einheit eingestiegen. „Ich bin von Vereinschef Norbert Koch schon häufiger gefragt worden, ob es nicht kribbelt, wieder zu spielen. Hat es nicht, und das war auch nicht der Grund, warum ich jetzt zugesagt habe. Ich wollte dem Verein einfach helfen“, meinte Jörgens-Taddey. Ein Blick auf die spärlich besetzte Bank verriet, das diese Hilfe nötig ist. „Die Absprache ist, dass ich bis zum Saisonende dabeibleibe, auch wenn ich nur einmal pro Woche trainieren kann.“
Bisher hatte sie sich nur mit Laufen und im Fitnessstudio fit gehalten, seit eineinhalb Jahren keinen Ball mehr in der Hand gehabt. Umso erstaunlicher war, dass es gleich wieder recht gut funktionierte, auch wenn die „Spritzigkeit noch fehlt“, wie sie selbst anmerkte. Mit der wurfgewaltigen Brandt und der durchbruchstarken Kerber, die das Spiel hervorragend lenkt, bildete sie einen starken Rückraum und ließ ihre alten Stärken aufblitzen. Spielte darüber hinaus, wie Trainer Stefes bemerkte, „mannschaftsdienlich“. Vor der Pause klappte es noch nicht mit einem eigenen Torerfolg, doch nach 32 Minuten sorgte sie nach Körpertäuschung für das 14:13, und von da an lief es nicht nur bei ihr, sondern beim ganzen Team. Ob im schnellen Gegenstoß, oft eingeleitet von den Torhüterinnen Yelyza Salimova und Valeria Morozeva oder im Positionsangriff – die Tore fielen wie reife Früchte. Erfreulich auch die Leistung der jungen Shayen Tomaszewska, die ob des Fehlens von Laetitia Karsch und Jasmin Sander am Kreis aushalf. Für Sidney Gößl war er ein schöner vorläufiger Abschied. Die TVB-Außen hat sich zu einer OP entschieden, nachdem ihr Knie nach dem zweiten Kreuzbandriss, den sie nicht hatte operieren lassen, nicht die nötige Stabilität erlangt hat.
Am nächsten Samstag wird sie eventuell als Zuschauerin in der Halle sein, wenn ihr Team gegen den TSV Bonn seine inzwischen erfreuliche Heimbilanz weiter aufpolieren und sich für das 17:28 im Hinspiel revanchieren will.
(Günter Hiege - Westdeutsche Zeitung)