TVB zieht seine erste Frauenmannschaft aus der Regionalliga zurück

Der langjährige Platzhirsch im Wuppertaler Frauenhandball hat keine Mannschaft für die vierte Liga zusammenbekommen. Hoffnung ist in der Saison 2027/2028 in der Oberliga antreten zu können. Ranghöchstes Team ist nun der HSV, der im Frauen- und Mädchenbereich breit aufgestellt ist. In der vergangenen Saison hatte sich der TVB mit dünnem Kader letztlich erfolgreich gegen den Abstieg gestemmt, hat jetzt aber kein Team mehr.

Traurige Nachricht vom TV Beyeröhde und echte Zäsur im Wuppertaler Frauenhandball: Der TVB zieht seine erste Damenmannschaft für die kommende Saison aus der viertklassigen Regionalliga Nordrhein zurück und steht damit bereits vorab als erster Absteiger fest. „Ich habe mich in den vergangenen Wochen intensiv um Spielerinnen bemüht, aber nachdem durch die Qualifikationsrunde zum Drittligaaufstieg erst sehr spät feststand, dass wir als Zehnter doch wieder in der Regionalliga spielen dürfen, konnte ich keine konkurrenzfähige Mannschaft mehr zusammenbekommen. Deshalb haben wir uns schweren Herzens zu diesem Schritt entschieden“, sagt Norbert Koch, seit 16 Jahren Vorsitzender des TV Beyeröhde. Ziel sei es nun, für das kommende Jahr (Saison 27/28) eine Mannschaft aufzubauen, die in der Oberliga an den Start gehen könnte.

Es ist das vorläufige und sehr traurige Ende einer schleichenden Negativ-Entwicklung bei Wuppertals Jahrzehnte langem Aushängeschild in Sachen Mädchen- und Frauenhandball, die sich nach Corona verstärkt hatte. Der TV Beyeröhde, der 2007 mit dem Aufstieg in die 1. Handball-Bundesliga den größten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert hatte, davor und danach aber über Jahre in der zweiten Liga mitmischte, ehe es nach einem „Doppel“-Abstieg 2022 und 2023 in die vierte Liga ging, ist nach langer Zeit nicht mehr Wuppertals ranghöchstes Frauen-Team. Das stellt jetzt der HSV (SSG) Wuppertal, in der abgelaufenen Saison Tabellen-Dritter der Oberliga und vorerst mal die Nummer eins im insgesamt recht dünnen Wuppertaler Frauenhandball. Zumal es am Kothen gelungen ist, für die neue Spielzeit erstmals auch wieder eine A-Jugend zu stellen und damit alle Altersklassen besetzt zu haben. „Klar ist der TVB auch ein Konkurrent, aber insgesamt ist der Rückzug natürlich sehr traurig“, sagt Lukas Pütz, der auch in der neuen Spielzeit die ersten Damen des HSV trainieren wird.

Beim TV Beyeröhde ist der „Unterbau“ noch zu jung, um „oben“ helfen zu können. Die einst glorreiche TVB-Jugend, aus der zahlreiche Auswahlspielerinnen wie Steffi Osenberg, Anke Kramer oder die Münch-Zwillinge hervorgegangen waren, ist mit B-Jugend und D-Jugend nur noch dünn aufgestellt, müht sich auch hier um Besserung. Die B-Jugend wird in der neuen Saison von Peter Stefes trainiert werden, der zuletzt das Regionalliga-Team unter seinen Fittichen gehabt und dort vor allem mit einem sehr dünnen Kader und teilweise nur geringer Trainingsbeteiligung zu kämpfen hatte. Trotzdem hat sich das Team tapfer gegen den Abstieg gestemmt, allein sechs Spiele nur mit einem Tor Unterschied verloren.

„Wenn wir mit Saisonabschluss den Klassenerhalt geschafft hätten, hätten wir vielleicht die Chance gehabt, noch mehr Spielerinnen zu halten, so haben sich viele aber anderweitig entschieden“, bedauert Norbert Koch. Der Abgang von Schlüsselspielerin und Top-Talent Jana Brandt in die 3. Liga war ja schon länger bekannt gewesen. Mit Schlüsselspielerinnen hatte der TVB in den vergangenen Jahren immer wieder Pech gehabt. Zu Beginn der abgelaufenen Saison waren gleich vier Spielerinnen langzeitverletzt ausgefallen, die zu den ersten Sieben gehört hätten. Erinnert sei auch an das Drittliga-Jahr, als mit Sandra Münch und Jennifer Jörgens-Taddey gleich zwei Stützen langzeitverletzt ausgefallen waren.

Im Wuppertaler Frauenhandball gibt es jetzt nur noch vier etwas höher spielende Teams. Der HSV stellt weiter eine Oberliga-Mannschaft sowie eine zweite Mannschaft, die in der Regionsoberliga (früher Bezirksliga), spielt. Dort, nur in einer anderen Gruppe, sind auch der TVB II und das Team von CDG/DAV (aus der Verbandsliga abgestiegen) vertreten.

In Wuppertal ist das Reservoir an Spielerinnen sehr begrenzt. Viele Asse sind in den vergangenen Jahren auch nach Solingen gegangenen, wo Gräfrath und BHC (beide 2. Liga) sehr erfolgreich sind. „Natürlich habe ich mich auch in Köln, Düsseldorf oder Leverkusen umgehört, aber vielen ist die Fahrerei einfach zu viel, zumal wir das nicht adäquat entschädigen können“, sagt Norbert Koch zu seiner vergeblichen Suche nach Spielerinnen für ein neues Regionalliga-Team.

Finanziell sei der TVB nie auf Rosen gebettet gewesen, wobei sich Koch bei den treuen Sponsoren bedankt, die dem Verein auch nach Corona die Treue gehalten hätten. Die Einschränkungen durch die Pandemie, in der der TVB als Profiverein eingestuft zwar weiterspielen durfte, aber keine Zuschauereinnahmen und auch Rückgänge im Sponsoringbereich gehabt habe, hätten die Gesamtsituation deutlich verschärft und damit bis heute Auswirkungen gehabt.

Was bleibt im Damenbereich, ist aktuell die zweite Mannschaft, die von Nicole Münch und Lars Fassbender trainiert wird und in der abgelaufenen Saison knapp am Aufstieg in die Verbandsliga gescheitert war.

Günter Hiege - Wesrdeutsche Zeitung

Weiter
Weiter

TVB verliert Schlüsselspiel beim Schlusslicht